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10.02.15 Brief von Myriam (Schulleitung)

Torbeck, 10 Februar 2015

Ihr Lieben,

 

ich habe so wenig Zeit, Euch zu schreiben....aber heute früh möchte ich diese kleine Kostbarkeit mit Euch teilen!

 

Seit drei oder vier Jahren baut Joseph für die Schule auf einem Grundstück, das der Verein gepachtet hat, Nutzpflanzen an... Maniok, Mais, Süßkartoffeln etc...

 

Ich habe ihn von Anfang an gebeten, die älteren Schüler soweit wie möglich in dieses „Gartenbauprojekt“ einzubinden. Es ist schon wie ein kleines Wunder, dass er perfekt versteht, worum es geht und nie zögert sie zum Beispiel für die Zeiten der Ernte zu sich zu holen.

 

Seit diesem Jahr, gehen sie jede Woche hin.

 

Unter den Beeten befindet sich auch ein Reisfeld, auf dem wir beschlossen haben den Versuch zu starten, nach dem  „Système de Riziculture Intensive“ den Reis anzubauen. Ein absolut natürliches System, das aber einen höheren Reisertrag verspricht.

 

Auch deshalb haben wir beschlossen die Kinder mit einzubinden.

 

Trotz Regen (die Haitianer sind sofort angeschlagen, sobald sich eine Wolke vor die Sonne schiebt...) ist Joseph mit den Kindern der 4. und 5. Klassen losgezogen, um das Reisfeld zu säubern. Und sie waren, obwohl es geregnet hat, begeistert und voller Enthusiasmus bei der Sache.

 

Joseph ist im Übrigen der Onkel von Edmerson, ein von seinen verantwortungslosen Eltern „aufgegebenes“ Kind. Es gibt Zeiten, in denen er monatelang alleine in einer fensterlosen dunklen Strohhütte ohne Licht und ohne Mahlzeiten schläft, wenn seine Mutter wieder nach Streitereien mit dem Vater weggelaufen ist und der Vater die Abwesenheit seiner Frau ausnutzt, um auswärts zu nächtigen.

 

Edmerson ist ein Kind mit einem soliden und starken Charakter, mit dem es das Leben aber nicht gut meint. Seine ganze Familie beschwert sich über ihn, dass er: „...so unerzogen und ein Übeltäter“ sei. In der Schule dagegen gibt er keinen Anlass über ihn zu klagen. Er zeigt sich niemals respektlos gegenüber anderen und zeigt auch den anderen Kindern gegenüber keine Zeichen von Gewalt. Er ist ein Kind, das sich ausdrücken möchte und er nutzt dazu jede Gelegenheit: durch Sprechen oder kleine Rollenspiele mit sich selbst, durch Gesang (wunderschön im Übrigen), oder indem er zeichnet oder schreibt...

 

Gestern kam Joseph zu mir, nachdem er auf dem Reisfeld war, um zu erzählen, wie zufrieden ihn die Arbeit mit den Kindern macht:

 

„ Sie sind im Grunde gar nicht „désordre*“, sie reden, sie lachen, sie spielen und nehmen sich aber alles zu Herzen.... sie drücken sich einfach nur aus!

Früher hätte auch ich, wie alle anderen Haitianer, gesagt, dass sie „désordre*“ sind, aber jetzt ist mir klar, dass das nicht stimmt. Und dass es eine gute Sache ist, die Kinder auf diese Weise aufwachsen zu lassen.

Denn, Edmerson, der so verschlossen war und von seiner Familie abgewiesen wird, obwohl er uns so sehr braucht, schien Angst vor mir zu haben, angeblich aus Respekt und er traute sich nicht mich anzusprechen. Aber seitdem ich in der Schule diese Aufgabe habe und sich zwischen ihm und mir eine Beziehung entwickelt hat, traut er sich auf mich zuzugehen und wenn er alleine zu Hause ist, kommt er zu mir und sagt, wenn er Hunger hat etc.

Ich denke, dass er jetzt, wenn er in irgendeiner Weise Rat braucht, auf mich zukommen würde. Früher dagegen…

Und ist es nicht genau das, was es verhindert, dass jemand eines Tages straffällig wird?“

 

Mit diesen Überlegungen von Joseph verabschiede ich mich von Euch. Ab morgen könnt Ihr die Fotos des Gartenbauprojekts auf facebook sehen.

 

Euch alles Gute

Myriam

 

*typisch haitianischer Ausdruck für laute, ungezogene Kinder